Ich wollte ausrechnen, wie viel Tilgung bei einem 30-jährigen Kredit nach 7 Jahren weg ist. Eine Frage, dann weiter mit dem Abend. Zwei Stunden später hatte ich die Domain msocalc.com registriert.
Wenn du mich noch nicht kennst: Ich bin Cody, Webentwickler aus Deutschland, schreibe hier auf somutech.de über Code, Frameworks und gelegentlich darüber, warum JavaScript so ist, wie es ist. Heute geht es um mein Side-Project, eine Calculator-Seite mit aktuell 53 kostenlosen Online-Rechnern. Unterwegs sind ein paar Sachen passiert, die ich vorher so nicht erwartet hatte. Über die schreibe ich gleich.
Warum überhaupt eine Calculator-Seite?
Die meisten Rechner-Sites im Netz sind ästhetisch und ethisch kaputt. Du suchst „Hypothekenrechner“, landest auf einer Seite, die dir drei Modals ins Gesicht klatscht, einen Cookie-Banner mit 847 Werbepartnern auspackt und nach deiner E-Mail-Adresse fragt. Wenn du Glück hast, rechnet sie irgendwann. Auf dem Smartphone das gleiche Theater, nur kleiner und langsamer.
Das war der Auslöser. Ich wollte eine Seite, auf der du in fünf Sekunden eine Zahl bekommst. Eingabe, Klick, Antwort, plus die Formel, falls dich die Mathe dahinter interessiert. Sonst nichts.
Der Stack: möglichst langweilig
Ich hätte das mit Next.js, einer Datenbank und User-Authentifizierung machen können. Habe ich nicht. Die ganze Seite läuft als statisches HTML. Ein bisschen Sass-Compilation, sonst keine Build-Pipeline. Kein Backend, keine Datenbank. Jeder Rechner ist eine eigene HTML-Datei mit ein paar Zeilen JavaScript, die im Browser läuft.
Was diese Wahl mir gebracht hat:
- Datenschutz von vornherein. Wenn du deinen Grundumsatz ausrechnest, bleiben deine Eingaben in deinem Browser. Ich sehe nichts, weil ich nichts erhebe. Es gibt schlicht kein Backend, das was loggen könnte.
- Geschwindigkeit. Erste Inhaltsauslieferung unter einer Sekunde. Es gibt kein Framework, das booten müsste.
- Wartbarkeit. Wenn ich in zwei Jahren einen Rechner überarbeite, muss ich nicht erst das halbe Tech-Stack-Update überleben. Es ist HTML.
- Hosting-Kosten. Fast null. Die Domain kostet mehr als der Server.
Der Nachteil: Jede neue Funktion ist Handarbeit. Mir macht das Spaß, also nehme ich den Tausch.
Was du dort findest
Aktuell sind die Rechner in fünf Kategorien sortiert. Ich zähle nicht alle 53 auf, sonst wird das hier ein Telefonbuch. Hier die Highlights:
Finance
Vom Hypothekenrechner mit voller Amortisation über Zinseszinsen, FIRE/Frührente, Inflation, ROI bis zu „Mieten oder Kaufen“. Die Rechenklassiker, die jeder mal braucht und niemand auswendig kann. Unter jedem Rechner steht eine echte Erklärung. Wenn dein Hypotheken-Rechner sagt, du kannst dir 400.000 Euro leisten: Was bedeutet das wirklich für deinen Alltag?
Health
BMI, BMR, Körperfettanteil, Wasserbedarf, TDEE. Die Grundumsatz-Berechnung nutzt die Mifflin-St-Jeor-Formel, also die aktuelle. Das macht gegenüber der alten Harris-Benedict 5-10 Prozent aus. Daneben behandele ich die offensichtlichen Fragen. Was sind realistische Zielwerte? Wo lügt der BMI? Warum ist deine Smartwatch oft 20 Prozent daneben?
Math
Prozentrechnung, Dreieck-Solver mit Sinussatz und Kosinussatz, ggT/kgV, quadratische Gleichungen. Klassisches Schulmathe, so erklärt, dass auch Erwachsene es wieder verstehen, ohne sich peinlich vorzukommen.
Unit Conversion und Everyday
Umrechnungen zwischen Einheiten, Datums-Differenz, Stunden zwischen zwei Uhrzeiten, Altersrechner, Tip-Calculator. Die Klein-aber-fein-Tools für den Alltag.
Die langen Guides und warum ich sie schreibe
Jeder Rechner hat einen ausführlichen Begleitartikel. Keine KI-generierte Füllmasse, sondern Texte, die ich selbst recherchiere und schreibe. Reine Rechner ranken in Google fast nicht mehr. Google will wissen, dass hinter der Seite jemand sitzt, der das Thema versteht. Stichwort E-E-A-T (Expertise, Experience, Authoritativeness, Trust).
Für mich heißt das so: Wenn ich einen Hypothekenrechner baue, schreibe ich einen 2000-Wörter-Artikel über die Mathematik dahinter. PITI, Amortisation, PMI, Refinanzierung. Leute, die wirklich verstehen wollen, lesen das. Und Google rankt die Seite besser, weil dort tatsächlich Inhalt steht und nicht nur ein Formular.
Geld verdienen, der ehrliche Teil
Die Seite finanziert sich über Google AdSense. Klassische Display-Ads, die ich sparsam einsetze. Ein Banner oben, einer in der Mitte, einer in der Sidebar. Pop-ups, Interstitials oder als Ergebnisse getarnte Klick-Bait-Buttons gibt es nicht.
Was ich auch nicht mache: Affiliate-Links zu Kreditgebern, gesponserte „Empfehlungen“ oder Newsletter-Zwang. Wenn der Rechner sagt, Mieten ist langfristig billiger als Kaufen, dann sagt er das. Ich bekomme nichts dafür, dich in eine Richtung zu schubsen.
Ob das langfristig trägt, weiß ich nicht. Mir ist eine Seite lieber, mit der ich am Spiegel vorbeigehen kann, als eine, die zehnmal mehr Umsatz macht und mir peinlich ist.
SEO-Lessons aus drei Monaten
Was ich auf die harte Tour gelernt habe:
- Sitemaps allein bringen nichts. Wenn der Crawler deine Seite als „dünn“ einstuft, indexiert er gar nicht erst. Ich musste fast jede Seite mit längeren Texten ergänzen, bevor Google ernsthaft anfing zu crawlen.
- Schema-Markup zahlt sich aus. WebApplication-Schema für Rechner, Article-Schema für Guides, BreadcrumbList überall. Aufwand, aber Google liebt strukturierte Daten.
- Internal Linking ist unterschätzt. Jeder Rechner verlinkt seinen Guide, jeder Guide verlinkt seinen Rechner. Die Sidebar zeigt verwandte Rechner. Das schiebt PageRank zwischen den Seiten hin und her, und Nutzer bleiben länger.
- Bing ist ein eigenes Universum. Bing braucht IndexNow, Google den Webmaster-Tools-Ping. Wer nur eins macht, halbiert sich den Traffic.
Was als nächstes kommt
Geplant für die nächsten Wochen: Mehrsprachigkeit (Englisch ist drin, Deutsch und Spanisch sollen folgen), zwei oder drei neue Rechner in der Health-Kategorie, ein paar fehlende Guides nachziehen. Mittelfristig will ich die Seite so weit bringen, dass sie sich selbst trägt und ich aus mehr als reiner Hobby-Liebe weitermache.
Wer reinschauen will: msocalc.com ist die Startseite, hier steht die kurze Backstory. Wer Bugs findet oder einen Rechner vermisst, schreibt mir. Ich lese alles und antworte auf das meiste.
Bis hierhin hat es Spaß gemacht. Und nichts davon hätte ich gelernt, wenn ich nicht im April im Bett gelegen und mich über einen kaputten Hypothekenrechner geärgert hätte.