Die Lage an den internationalen Kapitalmärkten ist heute turbulenter denn je. Die Zinsen sind historisch niedrig, die wichtigen Indizes bewegen sich zwischen nie gesehenen Höhen und finsteren Tälern, und feste Renditen für zumindest halbwegs sichere Anlagen wie starke Staats- oder Unternehmensanleihen existieren ebenfalls nicht mehr.

Viele Immobilienbesitzer scheuen deshalb davor zurück, ihr Objekt in Liquidität zu verwandeln. Sie bleiben lieber auf ihrer Immobilie „sitzen“ als sie zu verkaufen und dann das Problem zu haben, den Erlös entweder nur mit gesteigerten Risiken einigermaßen rentierlich anzulegen oder de facto unverzinst im Cash liegenzulassen. Letzteres führt sogar dazu, dass das Vermögen schmilzt – denn die Inflation, Gebühren etc. zehren natürlich an der Substanz.

Wer nicht verkaufen muss, sich wohlfühlt und seine Zukunft in der angestammten Immobilie plant, mag dementsprechend tatsächlich schlagkräftige Argumente auf seiner Seite haben. Aber was ist mit Eigentümern, die sich eigentlich in der Situation befinden, ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen zu müssen, aus ganz verschiedenen Gründen? Sei es, weil sich der Platzbedarf verändert hat, sei es, weil die Arbeit mit dem Haus zu viel geworden ist, sei es, weil eine räumliche Veränderung geboten ist oder, oder, oder: Eigentümer können immer in die Situation geraten, dass eine Transaktion notwendig ist, wenn auch nicht aus unmittelbarer Not, sondern tendenziell perspektivisch.

Von positivem Zinsumfeld profitieren

Doch die Praxis zeigt, dass sich auch solche Menschen davor scheuen, die Immobilie zu vermarkten. Sie „klammern“ lieber, anstatt die richtigen Konsequenzen zu ziehen, weil sie ebenfalls Sorge davor haben, auf einer größeren Summe zu sitzen und nicht damit anzufangen zu wissen. Sie verschieben den Zeitpunkt des Verkaufs dann lieber mehr und mehr, um irgendwann von einem attraktiveren Zinsumfeld zu profitieren.

Aber dies kann zu kurz gegriffen sein. Denn zum einen müssen sich Eigentümer die Frage stellen, ob der Verkaufsgrund wirklich (mehrjährigen) Aufschub duldet. Und zum anderen wird eine Zinswende zwar dazu führen, dass Anleger für ihr Geld auch mit sicheren Instrumenten mehr Rendite erzielen werden. Aber es wird auch dazu führen, dass Immobilien im Wert sinken werden. Das ist ein leicht nachzuvollziehender Kausalzusammenhang. Viele Menschen wollen mit dem Verkauf warten, bis sich die Kapitalmärkte wieder erholt haben. Dementsprechend viele Objekte werden mit dem Beginn der Zinswende auf den Markt kommen. Die rein marktwirtschaftliche Konsequenz aus einem steigenden Angebot: sinkende Preise. In der Folge erwirtschaften Anleger zwar höhere Zinsen für ihr Kapital, aber es steht ihnen weniger zur Verfügung, eben weil der Verkaufspreis zehn, 15 oder sogar mehr Prozent unter dem lag, der aktuell möglich gewesen wäre.

Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung

Zudem wird sich die Anzahl der Interessenten reduzieren. Denn steigende Zinsen verteuern die Finanzierung oder machen sie je nach Bonität sogar unmöglich. Insofern kann es sogar sein, dass ein Eigentümer in einem neuen Zinsumfeld sein Haus oder seine Wohnung garRalf Dietrich nicht mehr verkaufen kann.

Eigentümer sollten deshalb gemeinsam mit einem versierten Makler genau ermitteln, welcher Preis sich aktuell für die Immobilie erzielen lässt, ob ein Verkauf möglich ist und welche Folgen es haben würde, das Objekt zu behalten. Stellt sich dann heraus, dass ein Verkauf wirklich Sinn ergibt, sollte dieser forciert werden. Dann kann das Geld auch ein bisschen zu ganz niedrigen Zinsen geparkt werden.

 

Ralf Dietrich, geschäftsführender Gesellschafter der Dietrich + Partner Immobilien KG aus Köln (www.dietrich-immobilien.de), ist seit drei Jahrzehnte als Immobilienmakler für anspruchsvolle Gewerbe- und Privatkunden tätig und kennt die Anforderungen, die Unternehmen an ihre Objekte stellen, genau. Sein Kernanliegen ist, seine Kunden individuell zu beraten.

Fotocredit: ©highwaystarz/Fotolia

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