Freizeitpark-Fans und Bungee-Drop-Hater aufgepasst: Wer hat denn hier bitte behauptet, das Mystery Castle im Phantasialand hätte seine Fahrzeiten geändert und sei früher besser gewesen? Pustekuchen! Gut, dass da mal jemand diese fiesen Behauptungen als unwahr entblößt.

Das Phantasialand fegt mit einem Beitrag im hauseigenen Blog durch die Gerüchteküche und liefert Hintergrundinformationen, die selbst hartgesottene Kritiker der Fahrgeschäftkunst mit offenen Mündern und schachmattgesetzten Fehlinterpretationen zurücklassen.

Die knallharte „Mystery Castle-Wahrheit“

Früher war ja alles besser und irgendetwas ist ja immer. Fakt ist aber, dass die Fahrprogramme nie geändert wurden und die gegen das Phantasialand erhobenen Vorwürfe, Euer Ehren, verehrte Geschworene und liebe Leser, und das möchten wir an dieser Stelle betonen und wo kämen wir denn hin, wenn es nicht so wäre, haltlos sind. Tja, sieht´s aus!

Um es zu vertiefen: Es gibt genau drei Fahrprogramme, von denen das Erste, welches das Kürzeste ist, gar nicht genutzt wird, weil es zu kurz ist. Der Ablauf dieses Programms sieht vor, dass die Fahrgäste nach ganz oben geschossen werden, sie dann wieder nach unten sausen, anschließend noch einmal nach oben katapultiert werden und die Fahrt dann mit einem Fall endet. Das zweite Programm läuft genauso ab, nur, dass es am Ende noch einmal extra wild wird: Nachdem die Gondel gefallen ist und man denkt, es ist vorbei, wird sie erneut nach oben geschossen und fällt dann ein letztes Mal.

Die körperlich empfundene Nahtoderfahrung wird also – Ihr vermutet es sicher schon – elegant intensiviert. Das dritte Fahrprogramm ist dann der Check-24-Werbespot unter den Fahrprogrammen: Es schüttelt einen und man findet es gut, aber irgendwie möchte man dann doch, dass es irgendwann aufhört. Gestartet wird mit einem halben Schuss nach oben, allerdings kommt die Gondel hierbei nur bis zur Mitte des Turms, dann wird sie langsam abgelassen. Daraufhin wird sie von unten bis an die Spitze geschossen, dann nach unten geschossen, dann wieder nach oben geschossen, dann fällt sie und die Fahrt ist vorbei.

Vormittags Händchenhalten, ab 14 Uhr Küssen mit Augen zu

Der Tag im Mystery Castle beginnt mit Fahrprogramm 2. Ab 14 Uhr wird dann zu Programm 3 gewechselt, damit den Gästen Abwechslung geboten wird und sie sich für ihr persönliches Favorite entscheiden können. Klar, das bekommt nicht jeder mit, deshalb wurde für beide Fahrprogramme neue Musik komponiert, die jeweils mit dem Ablauf abgestimmt wurde und unterstreichen soll, dass es hier zwei Erlebnisse zu erleben gibt.

Die Firma, die diese Sounds komponiert heißt übrigens IMAscore und sitzt in Paderborn. Xaver Willebrand und seine Kollegen sind die absolute Top-Adresse, wenn es um Sounddesign und Kompositionen geht. Wer mehr darüber erfahren will, sollte unbedingt mal auf www.imascore.com vorbeischauen.

Die Sache mit der Technik

Das Phantasialand hat die Fahrprogramme nicht über die Jahre geändert. Abgesehen davon, ist das auch gar nicht möglich, ohne größere Eingriffe an der Anlage vorzunehmen, da das Mystery Castle mit Druckluft betrieben wird. Wie das zusammenhängt? Ganz einfach: Es gibt einen Druckluftspeicher mit einer bestimmten Kapazität. Wenn die Luft raus ist, ist Schluss mit lustig. Es trug sich also zu, dass ein schlauer Mensch einst zwei Abläufe einprogrammierte, sodass alles aufeinander abgestimmt war. Weil es so schön funktionierte, beließ man es dabei.

Die Hardware

Die oberste Technikebene befindet sich in über 60 Metern Höhe. Hier findet man die Drucklufttanks, außerdem sogenannte Gegenumlenkrollen und die Seitenbremsen, die das Anhalten der Gondel im Fahrprogramm ermöglichen. Eine Ebene tiefer (bei ca. 25 Metern) befinden sich vier Kompressoren und die Lufttrockner.

Und so funktioniert´s

Die Luft wird von außen angesaugt und in den Kompressoren quasi „zusammengedrückt“, anschließend entziehen ihr die Kältetrockner die Feuchtigkeit. Die vorbereitete Luft wird dann in den Drucktank geleitet und von dort aus strömt sie in die Einschussventile der Fahrspuren. Die Gondel ist durch Seile an „Schiebern“ befestigt, die wiederum mit Antriebszylindern verbunden sind.

Nun schießt die Luft mit ordentlich Druck auf die Schieber und bewegt sie so nach oben bzw. nach unten. Also funktioniert die Gondel wie ein Aufzug, der in zwei Richtungen befördert werden kann. Über Sensoren in jeder Sitzreihe werden die Personen gezählt, die an Bord gehen. Gerechnet wird dann mit einem Durchschnittsgewicht von 75kg. Je nachdem, wie viele Fahrgäste mitfahren, verändert sich die Intensität der Fahrt.

So kann es tatsächlich sein, dass einzelne Fahrten unterschiedlich wahrgenommen werden, denn umso leichter die Gondel ist, um krasser wird es. Ist der Tank leer, ist die Fahrt beendet. Die restliche Luft wird zum Abfedern am Ende verwendet und die verbrauchte Luft wieder nach außen abgelassen.

Sicher ist sicher

Was passiert nun, wenn ganz viele sehr dünne Leute mitfahren? Sind viele dünne Leute ein Risiko? Nein, die Gondel kann sich nicht ins All katapultieren, denn oben und unten an den Fahrspuren gibt es Dauermagnetbremsen, die auch dann funktionieren würde, wenn eine Gondel voller dünner Menschen während eines Stromausfalls gerade zufällig nach oben geschossen würde oder sich auf dem Weg zum Boden befände. Gibt es gerade keinen Stromausfall, bremst das System allein mit Druckluft.

So, wieder was gelernt!

Foto: CC NC 2.0 / Miracle Marc

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